(Foto: Unsplash / Inaki del Olmo)
  • Datum:

    17. Apr. | 17:30 Uhr

  • Location:

    Literaturhaus Köln

  • lesung
    literatur

Buchpremiere im Literaturhaus! In Eisernes Schweigen (Kiepenheuer & Witsch) widmet sich Traudl Bünger einem wenig beachteten Kapitel der deutschen Nachkriegsgeschichte: der deutschen Beteiligung am »Südtiroler Freiheitskampf«. Wie ist es, herauszufinden, dass der Vater ein rechtsnationaler Attentäter war? Schon als Kind wusste die Autorin, dass ihn ein Geheimnis umgab, über das er eisern schwieg. Nach seinem plötzlichen Tod beginnt sie, dieses Geheimnis zu lüften – und wird in die frühen Sechzigerjahre katapultiert. Für Eisernes Schweigen erhielt Traudl Bünger 2023 das Dieter-Wellershoff-Stipendium. Es moderiert: Uli Hufen. Über die Geschichte, die ich hier schreibe, hat mein Vater nicht gelogen. Er hat geschwiegen. Traudl Bünger kannte ihren Vater als einen fürsorglichen Mann, auf den sie sich stets verlassen konnte, der aber auch radikale Positionen vertrat und nicht mit sich diskutieren ließ. In den 1980er-Jahren wird er in einem der längsten Strafverfahren in der Geschichte der BRD wegen Sprengstoffverbrechen im Kontext des »Südtirol-Konfliktes« angeklagt, aber nicht verurteilt. Darüber gesprochen hat er nie. Nach seinem plötzlichen Tod begibt sich Traudl Bünger auf Spurensuche. Vier Jahre recherchiert sie und lüftet ein Familiengeheimnis. Sie erfährt, dass der Vater im Herbst 1962 mit Gesinnungsgenossen nach Italien fuhr. Ziel der Mission: mit »Volksdeutschen« in Südtirol gegen die italienischen »Besatzer« kämpfen. Das Mittel: Sprengstoff. Das Ergebnis: Ein Toter und zahlreiche Verletzte.
Was hat ihren Vater im Alter von 27 Jahren zu dieser Tat verleitet? Was für ein Mensch war er? Traudl Bünger blickt in ihrem akribisch recherchierten Buch Eisernes Schweigen nicht nur in die Abgründe ihrer Familiengeschichte. Sie führt uns auch tief in die Historie der Bundesrepublik, des Kalten Krieges und seiner Propagandaschlachten. Eisernes Schweigen zeigt ein junges Land, das sich neu positionieren muss und dabei konsequent übersieht, wie sich Rechtsextremisten nach dem Krieg wieder in Stellung bringen. Ein Land, das nicht wahrhaben will, dass das, was sich da zusammenbraut, brandgefährlich für eine Demokratie ist. Veranstaltungspartner: Kiepenheuer & Witsch, Stadt Köln