Die vier Jungs von der Kölner Band Planschemalöör. (Foto: Planschemalöör)

Planschemalöör in der soköln.-Redaktion: Die Band entscheidet, welche Themen ihr lest. Die kölsche Tradition liegt den vier Jungs besonders am Herzen. Aber was bedeutet das für sie überhaupt? Und wie sind sie selber damit aufgewachsen? Wir haben mit ihnen gesprochen.

Im Überblick:

  • Planschemalöör ist eine kölsche "Boyband", wie sie sich selber nennen, die seit fünf Jahren in ihrer aktuellen Besetzung besteht.
  • Ihr aktueller Sessionshit heißt "Stadt, die immer laach", bekannt wurden sie vor allem mit dem Lied "Heimat".
  • Drei der vier Bandmitglieder haben mit uns über die kölsche Tradition gesprochen: Wie sind sie damit aufgewachsen? Und was hat sich verändert?

1. Wie seid ihr mit der kölschen Tradition des Karnevals aufgewachsen?

Juri: "Ich bin damit eher passiv aufgewachsen. Meine Eltern haben gerne Karneval gefeiert, aber nicht so intensiv. Sie sind zum Beispiel nie auf Sitzungen gegangen. Am Anfang war mir die Tradition deswegen eher fremd die Auseinandersetzung damit kam erst, als ich selbst angefangen habe, Musik zu machen. Aber Straßenkarneval fand ich schon immer gut."

Pierre: "Ich bin Einwandererkind. Meine Eltern sind von Dänemark nach Deutschland gekommen. Deswegen habe ich zu der Tradition als Kind nie einen richtigen Bezug entwickeln können, weil es das so nicht in Dänemark gibt. Das hat sich dann eher über die Jahre entwickelt – vor allem durch mein Studentenleben ist das immer mehr geworden (lacht)."

Alex: "Ich bin mit dem Süddeutschen Karneval aufgewachsen, das ist was ganz anderes. Den kölschen Karneval habe ich auch erst während des Studiums kennengelernt. Aber grundsätzlich begleitet mich der Karneval seit meiner Kindheit. Mein Opa hat für die Traditionsvereine in Süddeutschland immer Masken geschnitzt und Trachten entworfen. Dabei habe ich ihm schon als kleiner Junge in seiner Werkstatt zugesehen."

Planschemalöör sprechen bei ihrem Besuch in der soköln.-Redaktion über ihre persönlichen Karnevals-Erfahrungen.

2. Wie hat sich euer Blick auf die Tradition verändert?

Juri: "Bestimmte Sachen ändern sich, wenn man älter wird. Vieles bleibt aber auch gleich. Das Zusammenkommen der Menschen, die sich vielleicht gar nicht kennen, die vielleicht auch unterschiedlichen Schichten angehören, finde ich weiterhin unglaublich schön. Es gibt aber auch Dinge, die man auf den Prüfstand stellen sollte. Zum Beispiel, ob man Veranstaltungen schafft, bei denen sich wirklich alle wohl fühlen und ob es Traditionen gibt, die man vielleicht anpassen müsste."

Pierre: "Ich bin durch den Karneval erst so richtig aus meiner sozialen Bubble gekommen: Im Studium verbringt man viel Zeit mit den gleichen Leuten, mit dem gleichen Typ Mensch. Durch den Karneval habe ich gelernt, wie viele unterschiedliche Facetten es gibt. Dadurch konnte ich mich auch persönlich weiterentwickeln. Und das ist eine sehr positive Sache am Karneval."

Alex: "Ich verbinde mit dem Karneval aus meiner Heimat eine gewisse Art Ausnahmezustand. Ein großes Chaos, das immer viel Spaß gemacht hat. Das liebe ich nach wie vor. Was mich stört sind Kommentare, die wir zum Teil in Gesprächen oder unter Social-Media-Posts bekommen: Dass der Karneval nicht politisch sein soll. Genau das gehört doch zur ursprünglichen Idee und Tradition des Karnevals und sollte unbedingt auch Teil des Ganzen bleiben. Ich hoffe sehr, dass das nicht verloren geht."

3. Wie würdet ihr Kindern in Köln, deren Eltern vielleicht gar nicht in Deutschland aufgewachsen sind, die Karnevalstradition vermitteln?

Juri: "Ich würde versuchen, eine Mischung aus dem historischen Kontext, wo etwa die Machtverhältnisse umgedreht wurden, und dem, was heute ist, zu vermitteln. Ich finde es zum Beispiel toll, dass sich Kinder durch Verkleidungen ausprobieren können. Für ein paar Tage können sie die Person sein, die sie wirklich sein möchten – ohne Grenzen. Mit dem Schwerpunkt würde ich versuchen, einem Kind die Tradition zu erklären."

Pierre: "Es ist einfach wichtig, dass Kinder Spaß haben. Viele Traditionen, die überlebt haben, sind häufig mit etwas Positivem verbunden das muss im Vordergrund stehen. Kinder können zwar noch nicht alles überblicken, trotzdem feiern sie das Brauchtum. Wenn es weiterhin mit Positivem verbunden wird, kann es durch die nächste Generation auch weiterentwickelt werden."

Alex: "Genau. Das versuchen wir auch bei unseren Konzerten rüberzubringen. Wir feiern mit den Kindern den Ausnahmezustand und das vor allem zusammen. Denn darum geht es doch im Karneval: Zusammen Spaß haben und zusammen die Tradition feiern."

Danke für das Interview, Juri, Pierre und Alex. In der heißen Karnevalsphase haben sie uns in der Redaktion besucht. Über alles Weitere bleibt ihr auf ihrer Website und auf Instagram informiert.

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