Till Lindemann, Sänger der Band Rammstein (Foto: IMAGO / Gonzales Photo)

Mit einem rechtmedizinischen Gutachten gehen die Verteidiger des Rammstein-Sängers nun in die Offensive. Es soll die Unschuld ihres Mandanten beweisen.

Im Überblick:

  • Ein Kölner Rechtsmediziner hat im Auftrag der Anwälte des Rammstein-Sängers Till Lindemann ein Gutachten erstellt. 
  • Mit dem rechtsmedizinischen Gutachten wollen die Anwälte die gegen den Frontmann erhobenen Vorwürfe des mutmaßlichen Missbrauchsopfers Shelby Lynn entschärfen. 
  • Demnach ergaben sich keine Hinweise auf sexualisierte Gewalt gegen die Nordirin. Allerdings: Derartige Vorwürfe hatte Lynn auch nie erhoben.

Gutachten soll Unschuld Lindemanns beweisen  

Nach den bekannt gewordenen Missbrauchsvorwürfen gegen seine Person hatte Rammstein-Sänger Till Lindemann die Anwaltskanzlei Schertz/Bergmann eingeschaltet. Diese veröffentlichte zu Beginn letzter Woche die Ergebnisse eines rechtsmedizinischen Gutachtens, an dem der Kölner Uni-Professor Markus Rothschild entscheidend beteiligt war.   

  • Lindemanns Anwälte teilten dazu laut Kölner Stadtanzeiger mit, dass sie diese Untersuchung veranlasst hätten, "um Vorwürfe von Frau Lynn weiter aufzuklären". 
  • Für das Gutachten werteten Rothschild und Kolleg*innen in erster Linie Fotos und ein Videoclip aus, die von der Nordirin im Anschluss an ein Konzert in Vilnius (Litauen) veröffentlicht worden waren.  

Gutachten schließt Fremdeinwirkung nahezu aus 

Das von Lynn ins Netz gestellte Bildmaterial, auf dem ein großer blauer Fleck auf Bauchhöhe zu sehen ist, suggerierte, dass dieser während des Rammstein-Konzerts durch sexualisierte Gewalt entstanden sei. Gleichzeitig erhob sie den Verdacht, dass ihr während des Konzerts etwas ins Getränk gemischt worden sei. Laut dem Gutachten der Anwälte Lindemanns spricht vieles dafür, dass die Verletzung nicht durch Fremdeinwirkung entstand.  

  • "Insgesamt sprechen Morphologie und Lokalisation (...) eher für ein akzidentielles Geschehen, ohne dass eine Fremdeinwirkung von vornherein (...) völlig ausgeschlossen werden kann", wird in dem Gutachten Rothschild zitiert. 

Lynn ist die Herkunft der blauen Flecken unbekannt 

Auch für die Anwendung sexualisierter Gewalt ergaben sich für den Rechtsmediziner "keine Hinweise". Rothschild wies in dem Gutachten jedoch darauf hin, dass allein anhand der Verletzungsbefunde "eine sexuelle Nötigung oder Vergewaltigung nicht ausgeschlossen" werden könne. Derartige Vorwürfe hatte Lynn gegen Lindemann aber niemals erhoben.   

  • "Ich weiß bis heute nicht, woher diese blauen Flecken kamen, aber sie kamen nicht von Till", so die Nordirin gegenüber dem Kölner Stadtanzeiger
  • Der Rammstein-Sänger habe an besagtem Konzertabend akzeptiert, dass sie keinen Sex mit ihm haben wollte.  

Berliner Staatsanwaltschaft ermittelt weiter 

Ungeachtet von dem rechtsmedizinischen Gutachten ermittelt seit Anfang Juni die Berliner Staatsanwaltschaft gegen Lindemann. Dabei soll es um die Tatvorwürfe "aus dem Bereich der Sexualdelikte und der Abgabe von Betäubungsmitteln" gehen. Wann diese zum Abschluss kommen, ist nicht bekannt.  

Demo gegen Lindemann
Demo gegen Rammstein Konzert von Till Lindemann in München (Foto: IMAGO / Smith)

Fazit:

Ein juristischer Befreiungsschlag sieht anders aus. Das Gutachten lässt vielerlei Interpretationen zu und schließt Fremdeinwirkung nicht völlig aus.