Die stärkste Frau Kölns misst sich mit den besten der Welt. Lea Schreiner tritt in Valletta (Malta) am Wochenende im Powerlifting gegen die Weltspitze an. Was sie über Muskeln bei Frauen, Doping und Kommentare im Netz sagt, lest ihr hier.

Im Überblick:

  • Lea Schreiner startet bei der WM im Powerlifting auf Malta
  • Schreiner hat einen Bizeps mit 40 Zentimetern Umfang
  • In den USA verfiel die Kölnerin dem Kraftsport

WM Teilnahme ist heißersehntes Ziel

An diesem Wochenende ist es für Lea Schreiner (28) endlich soweit: Nach endlosen Stunden im Gym, nach hunderten von Tonnen gestemmter Gewichte steht der Saisonhöhepunkt an. Die wohl stärkste Frau Kölns tritt auf Malta bei der Weltmeisterschaft im Powerlifting an. Seit Mittwoch ist sie in Valletta und freut sich auf den Wettkampf. "Ich will jede Sekunde genießen, das ist erstmal das große Ziel." 

Schon ihr Spitzname zeigt, dass mit ihr zu rechnen ist. Schreiner hat dank ihrer schier unglaublichen Kräfte den Spitznamen "Kran" verliehen bekommen, weil sie als erste deutsche Frau erst 200 Kilo und dann 210 Kilogramm gehoben hat: "Das ist meine Leidenschaft. Ich habe in der Jugend Fußball und Handball gespielt, bin dann aber dem Kraftsport verfallen." 

Kräftiger Körper und starkes Selbstbewusstsein

Nun hat sie einen Bizeps von 40 Zentimetern Umfang, definierte Muskeln und doch sieht an ihr nichts unnatürlich aus, Schreiner fühlt sich auch sichtlich wohl in ihrem kräftigen Körper. "Natürlich bekommt man auf Social Media schon mal ein dummer Kommentar, Bemerkungen unter der Gürtellinie. Aber da muss man drüberstehen", sagt Schreiner. Kann sie auch, denn die mehrfache deutsche Meisterin und Vize-Europameisterin im Kraftdreikampf, der aus Kniebeugen (Squats), Bankdrücken und Kreuzheben besteht, bekommt viel Zuspruch von fast 100 000 Instagram-Followern. 

Lea Schreiner
Lea Schreiner privat unterwegs (Foto: privat)

Als Online-Coach (www.leaschreiner.de) und mit ihren Social Media-Aktivitäten kann sie von ihrem Sport gut leben und sich ganz dem Training widmen. Das dauert an fünf Tagen die Woche mehrere Stunden, damit sie das überhaupt aushält, muss sie über den Tag verteilt 3500 Kalorien und 500 Gramm Kohlenhydrate zu sich nehmen – nicht immer die leichteste Aufgabe. "Aber ich bin eine guter Esserin und sehr diszipliniert, das klappt schon", lächelt Schreiner.

Krafttraining statt Modelhungern

Die 28-Jährige, die in Köln Sport auf Lehramt studiert hat und in ihrer Geburtsstadt weiterlebt, kam bei einem USA Aufenthalt auf den Kraftsport. "Ich war früher auch ein ganz normaler Teenager, hab Germanys Next Topmodel geguckt und versucht abzunehmen, und war frustriert, dass ich trotzdem nicht so aussah wie die dünnen Models", erinnert sich Schreiner. In den Staaten aber kam sie in einem Kraftstudio mit Crossfit in Kontakt, am meisten gefiel ihr aber das Gewichttraining und darauf spezialisierte sie sich dann. "Wir alle wollen doch einen schönen, gesunden Körper, der definiert ist, eine schöne Haut und möglichst lange fit und aktiv bleiben. Das alles gibt einem das Krafttraining – es muss ja nicht gleich der Riesen-Bizeps sein. Aber der Kraftsport boomt."  

Gymshark nahm Schreiner als Botschafterin unter Vertrag

Und so hat das Fitness-Label Gymshark die hübsche Kölnerin unter Vertrag genommen. "Ich mache dopingfreies Powerlifting und implementiere hier auch recht viel Bodybuilding. Die beiden ergänzen sich recht gut. Für mich kam Doping nie in Frage. Für meinen Teil will ich zeigen, was alles dopingfrei möglich ist und dass Kraftsport auf keinen Fall männlich macht."

Also unterwirft sie sich dem strengen Code der Antidopingagentur NADA und miss sich in Valletta mit der Weltspitze – welche eine Ehre. Und nicht nur die Kölner Kraftsportszene drückt ihrem "Kran" die Daumen.