Seit mehr als 200 Jahren wird in Köln Karneval gefeiert. Aber warum eigentlich? (Foto: iStock / chris-mueller)

Planschemalöör in der soköln.-Redaktion: Die Band entscheidet, welche Themen ihr lest. Die kölsche Tradition liegt den vier Jungs besonders am Herzen. Daher die Frage: Warum feiern wir in Köln eigentlich Karneval?

Im Überblick:

  • Mehr als eine Feier: Der Karneval hat eine lange Tradition – in Hunderten von Jahren entwickelte er sich zu der Feierlichkeit, die wir heute kennen.
  • Bereits vor 5000 Jahren gab es die ersten Vorläufer. Allerdings nicht in Köln, sondern in Vorderasien.
  • Und wie ging es danach weiter? Wir haben die Entstehung des Kölner Karnevals für euch zusammengefasst.

Der Begriff "Karneval":

Der Begriff "Karneval" beruht auf der lateinischen Aussage "Carne vale" und bedeutet "Fleisch – lebe wohl". Somit erinnert die jecke Zeit an die bevorstehende Fastenzeit, die an Aschermittwoch beginnt. Denn: Früher haben die Menschen in jener Fastenzeit 40 Tage lang auf Fleisch verzichtet.

  • Karneval ist auch bekannt als die fünfte Jahreszeit, weil es für viele Menschen ein ebenso großer Umschwung ist, wie sonst ein Jahreswechsel.

Die Geschichte des Kölner Karnevals:

Vorläufer des Karnevals wurden bereits vor 5000 Jahren in Mesopotamien, einer Kulturlandschaft in Vorderasien, gefeiert. Laut Erzbistum Köln habe es schon damals die Idee des Gleich­heits­prin­zips während der Feier­lich­keiten gegeben. Bedeutung: Arbeiter und Herrscher standen für kurze Zeit auf einer Stufe.

  • 1341: "Fastelovend" ist zum ersten Mal im sogenannten Eidbuch der Stadt Köln dokumentiert.
  • 1422: Der Kölner Bauer wird erstmals in einem Gedicht erwähnt.
  • 1570: Die Kölner Jungfrau erscheint als Verkörperung der Stadtgründerin Agrippina an der Seite des Bauern – verkörpert von einem Mann, da der Karneval damals eine reine Männerangelegenheit war.
  • 1736: Die erste "Redoute", ein Masken- und Kostümball nach venezianischem Vorbild, findet erstmals in einem Adelshaus am Neumarkt statt.
  • 1823: Neuaufbereitung des Karnevals und Gründung des "Festordnenden Comitees" (heute: Festkomitee des Kölner Karnevals). Der erste Rosenmontagszug findet statt. Der sogenannte "Held Carneval" regiert nun die närrische Zeit.
  • 1860: Der erste "Geisterzug" zieht am Abend des Karnevalssamstags durch Köln.
  • 1871: Aus "Held Carneval" wird Prinz Karneval – damit ist das Kölner Dreigestirn, wie wir es heute kennen, komplett.
  • 1883: Prinz, Bauer und Jungfrau treten erstmals als Trio auf, offiziell Dreigestirn heißen sie allerdings erst seit 1937. Verkörpert werden alle drei Charaktere von Männern.
  • 1915 bis 1918: Wegen des ersten Weltkriegs wird kein Karneval gefeiert. Anschließend untersagte die britische Besatzung Karnevalsumzüge.
  • 1927: Der erste Rosenmontagszug nach dem Krieg findet unter dem Sessionsmotto "Aus der Neuen Zeit (Bunte Kappenfahrt)" statt.
  • 1931 und 1932: Der Rosenmontagszug wird wegen der Weltwirtschaftskrise abgesagt.
  • 1936: Die Nazis instrumentalisieren den Karneval immer mehr und versuchen den Rosenmontagszug zu übernehmen. Erstmals findet eine feierliche Prinzenproklamation in der Messe statt.
  • 1938 und 1939: Durch einen Erlass der NSDAP müssen die Rolle der Jungfrau und die des Funkemariechens durch Frauen dargestellt werden. Beim Funkemariechen ist es bis heute so geblieben.
  • 1940 bis 1945: Wegen des zweiten Weltkriegs wird kein Karneval gefeiert.
  • 1949: Der erste Rosenmontagszug nach dem Krieg findet statt.
  • 2021: Wegen der Corona-Pandemie kann kein Karneval gefeiert werden.
  • 2022: Wegen des russischen Angriffs auf die Ukraine an Weiberfastnacht fallen einige Karnevalsveranstaltungen aus.
  • 2023: 200-jähriges Jubiläum des organisierten Kölner Karnevals.
Infografik Entstehung Karneval

In den letzten 200 Jahren fand Karneval fast immer statt. Einzig die Weltkriege und die Weltwirtschaftskriege hielten die Kölner*innen von den Feierlichkeiten ab. In den vergangenen Jahren sorgten die Corona-Krise und der russische Angriff auf die Ukraine dafür, dass viele Events ausfielen oder verlegt wurden – und viele Jecken zu Hause blieben. Thematisiert und belächelt – oder kritisiert – werden alle gesellschaftlichen und politischen Themen durch die Persiflagewagen im Rosenmontagszug.

Schon gewusst?

  • Die Elf: 11.11. um 11:11 Uhr und der Elferrat. Die Zahl Elf ist der Inbegriff der närrischen Zahl schlechthin, sie stellt die Eins neben die Eins als Symbol der Gleichheit aller Jecken.

Und:

  • Weiberfastnacht gehört den Frauen: Wer meint, an Karneval eine Krawatte tragen zu müssen, hat bald eine weniger. Denn Frauen schneiden nach altem Brauch den Männern die Krawatten als Symbol der männlichen Macht ab.

Fazit:

Der organisierte Kölner Karneval blickte 2023 auf eine 200-jährige Geschichte zurück, die geprägt war von Beständigkeit, aber auch von Herausforderungen der letzten Jahre. Trotz aller Widrigkeiten hat der Karneval stets die Fähigkeit bewiesen, Menschen zusammenzubringen, Freude zu verbreiten und gleichzeitig kritische Stimmen gegen Politik zu erheben. Kurzum: Karneval ist mehr als nur Feiern.